Hochsensibilität – ein Erklärungsversuch

Was ist Hochsensibilität? Und wodurch äußert sie sich? Kurz gefasst ist es so, dass die Filter im Nervensystem von Hochsensiblen schwächer ausgeprägt sind. Dadurch müssen sie mehr Reize verarbeiten und benötigen dafür mehr Zeit.

Welche Reize das sind, ist individuell unterschiedlich. Ich bin z.B. besonders lärmempfindlich und kann nicht im Großraumbüro arbeiten. Ich habe es versucht und musste einsehen, dass es einfach nicht geht. Auch auf lauten Parties oder in Restaurants habe ich keinen Spaß. Besonders schlimm ist es, wenn ich mich in so einer lauten Umgebung auch noch unterhalten muss. Musik mag ich aber sehr gern, ich habe auch mal nichts gegen laute Musik, wenn sie mir gefällt.

Außerdem nervt es irgendwann, nicht-HSPs dauernd erklären zu müssen, warum ich nicht auf diese Party will oder es nicht toll finde, mit einer Gruppe von 30 Leuten zum Essen zu gehen.

Diese Empfindlichkeit kann auch dazu führen, sich ständig in Watte zu packen. Vor kurzem bekam ich die Gelegenheit, zur Biofach mitzufahren. (Zur Erklärung: die Biofach ist eine sehr große Biomesse, auf der neue Biolebensmittel präsentiert werden) Natürlich hab ich mich auch gefreut, aber gleichzeitig hatte ich schon wieder einige Befürchtungen: wie würde ich den langen Tag durchhalten, was sollte ich anziehen, damit ich nicht friere oder schwitze, wie hoch ist der Lärmpegel in der Messe?

Der Lärmpegel war natürlich unangenehm, aber dank Begleitung einigermaßen auszuhalten. Ich war letztes Jahr allein auf der Yogaexpo und fand es eher unangenehm. Mit jemand anderem hinzugehen scheint die Sinneseindrücke aber ein bisschen abzudämpfen. Und ich war von den vielen Probierhappen angenehm abgelenkt. So viele neue Tofusorten, Schokoriegel, Aufstriche und Frühstücksbreie habe ich noch nie an einem Tag gegessen!

Zwischendurch sind wir ein paar Mal rausgegangen, damit ich mich bisschen erholen konnte. Und ich hatte meine Bachblütenmischung dabei, die auch geholfen hat. Ich war mal so fertig, dass ich dachte ich muss sofort gehen. Andererseits war die Messe aber auch so interessant, dass ich noch mehr sehen und probieren wollte. Ein dauernder Zwiespalt, der den „Normalos“ wahrscheinlich gar nicht bewusst ist.

Wie es jemand aushält, mehrere Tag hintereinander auf so einer Messe zu arbeiten ist mir echt ein Rätsel. Aber das sind sicher keine HSPs, die so einen Job machen.

Nach einigen Stunden auf der Messe sind wir noch bisschen in der Stadt rumgelaufen. Die frische Luft hat mir gut getan, ich war dann aber so erschöpft, dass ich im Zug erstmal ne Weile die Augen schließen musste.

Obwohl ich die Messe superinteressant fand, würde ich mir beim nächsten Besuch vorher ein Zeitlimit setzen und es auch einhalten. Aber es war eine Erfahrung wert. Und vielleicht gehe ich nächstes Jahr auch wieder zur Yogaexpo.

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