Städtereise Nummer zwei: Leipzig

Der Sommer geht zu schnell vorbei! Vor einem Monat war ich in Leipzig, und heute raffe ich mich endlich zum Korrekturlesen auf. Sonst geht’s wie mit meiner Wienreise, die irgendwie nie in einem Blogpost verewigt wurde. Somit erklärt sich auch die eigentlich völlig unpassende Überschrift: Wien war Städtereise Nummer eins dieses Jahr, und der Blogpost schlummert noch irgendwo als Entwurf. Aber zurück zum eigentlichen Thema.

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typischer Holpergehweg…

Leipzig ist völlig anders als München. Das fängt schon mit dem Untergrund an. Ich meine jetzt nicht die U-Bahn, sowas gibt’s in Leipzig nicht, sondern die Straßen und Gehwege. Die Gehwege bestehen aus unregelmäßigen Steinplatten oder völlig unebenem Kopfsteinpflaster. Das führt dazu, dauernd nach unten schauen zu müssen, um nicht stolpern, nebenher wollte ich noch was von der unbekannten Umgebung mitkriegen und mich dabei auch noch zu unterhalten…Eine ganz einzigartige Herausforderung.

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jeden Tag akkurat gefaltet

Nebenher unterhalten wollte ich mich deshalb, weil ich in Leipzig eine Freundin besucht habe. Wegen nicht kompatibler Tagesabläufe habe ich mir aber trotzdem ein Hotelzimmer genommen, was eine sehr gute Entscheidung war. Mein Hotelzimmer war ein Apartment, das größer war als meine Wohnung. Mit Balkon und Kochnische und direkt neben einem Kaufland gelegen. Ich habe deshalb darauf verzichtet, mich alleine ans Frühstücksbüffet zu setzten, sondern hab ich wie daheim vorm Internet gefrühstückt. Und die jeden Tag erfolgte Dreicksfaltung des Toilettenpapiers hat mich zugegebenermaßen sehr amüsiert.

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am Kanal

Die Straßen sind mit Schlaglöchern übersäät, die wohl jedes Jahr so bisschen zusammengeflickt werden. Wodurch die Straße dann so einer Art holprigen Fleckerlteppich gleicht. Für so eine Umgebung wär der Tramperrucksack doch fast besser gewesen als der schicke Rollenkoffer.

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diesen Innnenhof würde ich gern nach München beamen

Womit wir gleich beim nächsten Thema wären. Die Leipziger sind wesentlich lässiger gekleidet, eher so Hippie bis Schlafanzug. Auch der Fitnesswahn scheint dort nicht so richtig Einzug gehalten zu haben, ich habe in den paar Tagen einen einzigen Jogger gesehen, und das obwohl ich in Leipzig eine Freundin mit Hund besucht habe und wir dementsprechend viel in Parks unterwegs waren.

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Regenbogenbrücke Marke Eigenbau…

Und Leipzig ist total bunt – graue Brückengeländer werden von irgendwelchen Leuten einfach mal bunt angemalt. Ich stelle mir grade vor, was passieren würde, wenn jemand das Geländer der Tierparkbrücke in München mit einem bunten Anstrich verschönern würde…

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Salty Caramel Frappé….hervorragender Suchtstoff zur Überbrückung des fehlenden Mittagsschlafs

Verglichen mit München unglaublich ist die Tatsache, dass viele Restaurants (auch in der Innenstadt – eigentlich gibt’s nur dort richtig viele Restaurants) um die Mittagszeit leer sind. Da sitzt teilweise nicht eine einzige Person, was mir das entgegengesetzte Problem zu München bescherte, weil ich es irgendwie fast schon wieder peinlich fand, mich in ein völlig leeres Restaurant zu setzen. Aus diesem Dilemma half mir der sehr angenehm klimatisierte Veganz, was mir jetzt aber eine ewige Sehnsucht nach diesem verdammten Salty Caramel Frappé eingebracht hat. (Die Komponenten Karamell, Kaffee und eine Prise Salz ergeben überraschenderweise ein überaus wohlschmeckendes Getränk).

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Badewannenidylle

Auch Facebookgruppen für lost places sind hier völlig unnötig, vor allem entlang der Tramstrecken wimmelt es nur so vor baufälligen leerstehenden Häusern und malerischen alten Industriegebäuden. Das liegt wohl daran, dass direkt an der Tram niemand wohnen will. Durchaus verständlich, denn die Tram ist ungefähr doppelt so laut wie in München. Als Fahrgast kamen mir die seltsamen Brems- und sonstigen Geräusche reichlich ominös vor, und auch in Nebenstraßen hört man noch allzu gut das donnernde Geräusch der vorbeirumpelnden Tram.

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am anderen Seeufer droht das Kohlekraftwerk

Ansonsten ist Leipzig überraschend ruhig und idyllisch. Überall fast menschenleere Parks, in denen nicht dauernd schnaufende Jogger an einem vorbeiziehen. Und viele Kanäle und Flüsse. Direkt am Stadtrand befinden sich mehrere Seen, die zumindest unter der Woche auch bei halbwegs schönem Wetter sehr ruhig sind. Gewöhnungsbedürftig ist nur der Ausblick: statt idyllischer Bergkulisse trifft der Blick am anderen Seeufer auf ein Kohlekraftwerk, das ich erstmal für ein Atomkraftwerk gehalten habe.

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ooh ist das schön bunt

Zu meiner Schande muss ich gestehen, weder das Stasiarchiv noch die Deutsche Nationalbibliothek besichtigt zu haben. Stattdessen habe ich viel Zeit mit meiner Freundin in Cafés und bei unglaublich günstigen Frühstücksbuffets verbracht, wir waren in schönen Parks und am See, ich bin auf sonnigen Bänken gesessen und habe die Gespräche von Studenten belauscht, bin durch die holprigen Straßen gelaufen und war auch noch – welch unglaublich tolle Touristenattraktion – jeden Tag im Kaufland.

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sogar die Steine sind hier bunt

Schön wars in Leipzig, es ist eine sehr entspannte und bunte Stadt, in der sich die Reizüberflutung echt in Grenzen hält. Und beim nächsten Besuch schau ich mir vielleicht auch ein paar der üblichen Touriattraktionen an.

 

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